Fontanaccia oder Fontana delle Boccacce

Der Bogenbrunnen mit seinem kleinen Baldachin darüber ist als „Fontanaccia“ bekannt, eine Bezeichnung, die seit 1588 gebräuchlich war; seit 1850 wird er auch „Fontana delle Boccacce“ genannt. Er wurde auf Wunsch des Kardinals Alessandro Farnese während der Arbeiten an der Via Diritta errichtet. Der Baldachin ist mit drei Wappen geschmückt: in der Mitte befindet sich das des Kardinals Alessandro Farnese, rechts davon das der Grafschaft Parma und Piacenza, Castro und Ronciglione und links das Wappen des Herzogs Alexander Farnese, des Enkels des Kardinals. Vermutlich wurden diese Schmuckelemente des Brunnens aus grauem Peperino erst später hinzugefügt, denn sie heben sich deutlich von dem bis zum Gesims reichenden Teil aus rosafarbenem Peperino ab, der zwischen 1562 und 1565 errichtet wurde. Im Inneren des Bogens befinden sich drei Nischen mit drei Masken, aus denen das Wasser in das Becken fließt. Es ist bekannt, dass aus dem Brunnen im Jahre 1597 anlässlich des Besuchs des Pontifex Clemens VII statt Wasser Wein floss.

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Das ehemalige Ospedale von S.Giovanni Evangelista

Das Krankenhaus wurde zwischen 1495 und 1497 auf dem Gelände eines früheren, dem Evangelisten Johannes geweihten Kirchleins, auf Initiative der Bruderschaft della Croce e Disciplina und einer Spende der Familie Riario, gebaut. Deshalb wurde es auch nach diesem Heiligen benannt. Es bestand aus zwei Stockwerken mit jeweils zwei großen Sälen; einem für die Männer im ersten und einem für die Frauen im zweiten Geschoß. Das Personal bestand aus zwei Priestern, einem Chirurgen, einem Krankenpfleger für die Männer und einer Krankenschwester für die Frauen. Während der Stadtsanierung durch Vignola und der Bauarbeiten am Palazzo Farnese wurden auch am Krankenhaus Umbauten vorgenommen. Das belegt eine Quittung von 1572 über ca.1000 Skudi an den Bauleiter „Scarpapede“. Nach dem Tode Vignolas wurden die Arbeiten Giovanni Antonio Garzoni übertragen, der die Unterteilung der Räume veränderte und die Wendeltreppe durch eine Rampe ersetzte. Das Krankenhaus versorgte die an schweren Gebrechen Leidenden und betrieb ein Leihhaus sowie einen Kindergarten. Die Bruderschaft wurde erst 1979 aufgelöst. Nach den Renovierungsarbeiten der neunziger Jahre wurde das Gebäude als Altenheim genutzt. Die Wände im Inneren sind z.T. noch bemalt ; so gibt es z.B. am Eingang eine Darstellung der Heiligen Familie mit Johannes dem Täufer als Kind. Im großen Saal befinden sich wertvolle Fresken aus Ende des 16. Jahrhunderts: eine Kreuzigung und eine Pietá, ähnlich der von Federico Zuccari in einer Kapelle des Palazzo Farnese.

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